www.mensch-im-wandel.de

wasser
Therapieansatz
 
 

Gestalttherapie

Die Gestalttherapie ist eine der Therapieformen, die sich aus der humanistischen Psychologie in der Mitte des letzten Jahrhunderts aus der Psychoanalyse entwickelten. Zentral für die humanistischen Verfahren ist, dass der Mensch als ein ganzheitliches Wesen gesehen wird, das ein selbstbestimmtes Leben führt, und dass das, was es für seine Verwirklichung benötigt, in sich trägt. Demnach besteht der Mensch aus einem organismischen Ganzen, der für sein Wohlbefinden ein emotionales, physisches und soziales Gleichgewicht benötigt. Dieses Gleichgewicht kann durch äußere und innere Kräfte gestört werden, durch Krankheit, Krieg, Stress, familiäre Erziehung oder institutionelle Pädagogik, woraus evtl. mangelnde Kontakt-, Konflikt- und Liebesfähigkeit mit entsprechend negativen innerlich gebildeten Glaubenssätzen entstehen. Der Ansatz der Gestalttherapie ist ein ganzheitlicher.

Das Wort Gestalt (geprägt von den Gestaltpsychologen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Deutschland allgemein gültige Wahrnehmungsgesetze erforschten) lässt sich am ehesten mit Ganzheit übersetzen. Ganzheit in diesem Sinne bedeutet, dass wir Menschen in unseren Wahrnehmungsvorgängen stets "sinnvolle" Ganzheiten bilden, um in der Fülle der uns vorliegenden Informationen eine Orientierung zu bekommen. Ganzheit in diesem Sinne bedeutet auch, dass wir aus mehr bestehen, als nur aus dem Intellekt, mit dem wir denken und Sprache verwenden. Die Gestalttherapie und alle aus ihr entwickelten Verfahren nach dem Gestaltansatz (Gestaltpädagogik, Gestaltberatung, Gestaltsupervision und Gestaltcoaching) ist ein stark handlungsbetontes und erlebniszentriertes Verfahren. Es wird erlebt, gefühlt, ausprobiert, ob im Einzelkontakt oder in der Gruppe. Ziel ist die Wiederbelebung verloren gegangener oder verschütteter Anteile unseres Selbst. Das Selbst wird gespeist aus Elementen der irrationalen Seiten, des körperlichen Daseins, aus unserem Bedürfnis nach Religion und Spiritualität, den emotionalen Bedürftigkeiten und natürlich auch durch den Intellekt mit seinen hervorragenden Fähigkeiten. Die Ganzheit wird durch die Selbstregulierung des eigenen Lebensentwurfes erreicht.

Hauptprinzipien der Gestalttherapie:

Das erste ist das Prinzip der inneren Achtsamkeit , der Bewusstheit. Sie gilt es zu steigern und auszudehnen, sie ist die Grundlage für anstehende Veränderungsprozesse. Erst wenn ich verstehe und erlebe, wie ich die Dinge meines Lebens tue, die mir so scheinbar „passieren", kann ich sie verändern. Veränderung ist also erst der zweite Schritt. Dies setzt die Bereitschaft voraus, sich selbst als Täter (nicht als Opfer) seines Lebens anzunehmen. Eine wertfreie Haltung den eigenen Erfahrungen gegenüber macht das Akzeptieren leichter.

Das zweite ist das „Hier und Jetzt-Prinzip": Das bedeutet, dass wir nicht zuerst die ganze Kindheit aufarbeiten müssen, um an den Kern eines Problems zu kommen, sondern dassdas, was für den Einzelnen aus der Vergangenheit wichtig ist, im Hier und Jetzt erlebbar ist.

Das dritte Prinzip wurzelt in der Ich-Du-Beziehung: Auf die Beziehung zwischen Therapeut/Berater und Klient/Supervisand/Coachee wird großen Wert gelegt, weil sie die Grundlage für menschliche Veränderungen ist. Der Mensch wird am „Du" zum „Ich" (Martin Buber). Ergebnisse jüngerer Therapieforschungen bestätigen, dass unabhängig von der Therapie- bzw. Beratungsmethode die Beziehungsfähigkeit des Therapeuten/des Beraters entscheidend für den Veränderungserfolg ist (Grawe, 2005). Viele menschliche Probleme drehen sich ja um die Erlangung bzw. Wiederherstellung unserer Beziehungsfähigkeit, sei es im privaten oder im beruflichen Rahmen.

Das vierte Prinzip, und damit wollen wir es erst mal bewenden lassen, ist das Prinzip der Eigenverantwortung: Das beinhaltet, das der Klient/die Klientin selbst weiß, was ihm oder ihr fehlt, und dass er/sie den Bauplan ihres möglichen Bildes von sich selbst bereits in sich trägt. Der Therapeut/die Therapeutin versteht sich also weniger als Experte, der weiß, was für sein Gegenüber das Richtige ist, sondern eher als Begleiter für die Wege, die der Klient/die Klientin in sich entdeckt und gehen will. Eigenverantwortung gilt auch für die Intensität und die Geschwindigkeit, mit der die Klienten voranschreiten, und genauso gilt es auch für die Therapeuten, die gut auf sich selbst im Kontakt mit ihren Klienten achten.

^ nach oben        < zurück